Törnbericht: Zwei Wochen in Mitteldalmatien unterwegs

Prolog

Kurz vorweg: Ich finde es immer interessant, aus welcher Sicht denn nun ein Törnbericht verfasst wurde. Dieser hier vorliegende ist von mir (Skipper, 29) verfasst, der mit seinen Freunden (im Schnitt 29) zwei Wochen durch Kroatien gesegelt ist. Ich würde sagen, daß unser Altersschnitt deutlich unter dem üblichen Mittelmeerschnitt liegt, was durchaus einen Einschlag auf diesen Bericht haben dürfte. Viel Segeln und eine eher low-budget Ausrichtung waren grobe Ideen des Törns. Dies schlägt sich auch im Törnzeitraum nieder, der sich mit Ende Juni noch gerade in der Nebensaison befindet.

 

Das Boot

 

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Es ist nicht das erste Mal, daß uns Apollon-Tours ein erschwingliches Boot vermittelt hat. Unsere vorangegangenen Erfahrungen waren durchweg positiv, daher hatten wir keine Zweifel, wieder ein taugliches Boot zu bekommen. So haben wir eine Bavaria 44 – das Zugpferd der Charterwelt, wie mir scheint – aus dem Baujahr 2005 mit dem sehr kitschigen Namen „Summerlove“ gebucht. Den Groove, den dieser Name ausstrahlte, hatte die ganze Crew gerade verinnerlicht, als es doch ganz anders kam. Der lokale Vercharterer „Kufner“ teilte uns mit, daß es Probleme mit den Papieren des Bootes gäbe. Der Chartervertrag gibt in diesem Fall vier Optionen vor: Warten, Warten und Geld zurück, Stornieren oder anderes Boot. Drei Nieten aus vier. Glücklicherweise kam es zu Variante vier, sodaß mir die Dame der Vercharterfirma direkt eine Bavaria 50 (Bj. 2008) anbot, die jedoch als „Barolo I“ keinen Preis für den kreativsten Namen abräumt.
Sechs Personen auf einer 50 Fuß langen Yacht bedeutete in jedem Fall deutlich mehr Platz und Komfort, jedoch auch höhere Hafen-/Marinagebühren. Einen Deal, den wir auch mangels einer Alternative eingegangen sind.
Ich greife direkt vorweg, daß es bei Booten wie dem unsrigen, die zehn oder mehr Jahre Charterbetrieb hinter sich haben, wohl immer Materialprobleme gibt (Blitzboje defekt, zwei Luken gerissen, Niedergangsschott gedreiteilt, Logge defekt, Seekarten alt und schlecht, Barometer defekt, Batterie schwachbrüstig, quietschender Motor, Türen schließen nicht, Kompasse und Autopilot nicht geeicht etc.), auch wenn das vielleicht die ein oder andere Vercharterfirma nicht gerne lesen möchte. Das ist reine Gewöhnungssache und fördert eigentlich nur die Kreativität und das Improvisationstalent der Crew. Wenn man nun mal günstig segeln möchte, kommt man um diese Problematik nicht herum.

 

Die Route und die Eindrücke Kroatiens

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Während Teile der Crew bereits schon einmal in Kroatien Urlaub gemacht haben, war es für alle das erste Mal auf einem Boot vor den Küsten Kroatiens. Man könnte sich nun für diesen Bericht an der Chronologie des Törns abarbeiten, was wahrscheinlich den Rahmen dieses Berichts sprengen würde. Derartige Berichte langeweilen mich aber außerdem üblicherweise, weshalb im folgenden nur kurz die Route erwähnt und einige allgemeine Kommentare zu Dingen gegeben werden soll, die sich im Nachhinein bestätigt haben, die uns überrascht haben, oder die ich einfach als interessant einschätze.

Die Route begann in der ACI Marina in Trogir und ging danach über die Insel Vis, der Südküste Korculas, Korcula Stadt, der Südküste Hvars, Hvar Stadt, Milna auf Brac, rund um die Insel Solta und wieder nach Trogir zurück. Dies ist die Route, die uns bei den vorherrschenden Winden über 250 sm ein 7:1 Segel-zu-Motor-Verhältnis ermöglicht hat. Mit diesem Ausgang hatten wir nicht gerechnet, da die durchschnittliche Windgeschwindigkeit im Juni bei etwa 7 kn liegen soll, was jedoch glücklicherweise oft übertroffen wurde.

Was uns auch überrascht hat, war das extrem klare Wasser und die türkisen Buchten, die tatsächlich den Bildern in Reiseführern entsprechen, obwohl man denken könnte, daß das Wasser der Adria mit dem vielen Schiffsverkehr und der dichten Besiedlung durchaus verdreckter sein müsste. Dank der eher felsigen Küste Kroatiens gibt es im Vergleich zu Griechenland wohl weniger aufgewirbelten Sand, der das Wasser trüber machen könnte.

Eine weitere Überraschung waren die zum Glück doch weniger vorherrschenden Bojenfelder zum Festmachen, sodaß wir erstens unseren Geldbeutel schonen konnten und zweitens das Ankerbier nicht verpasst haben.

Die Logistik des Törns wurde stark – und mehr als erwartet – durch die ACI (Adriatic Croatia International Club) Marinas geprägt, die meist eine komplette Infrastruktur bieten, wie Wasser, Duschen, Proviant, ruhigen Liegeplatz, Mülltonnen etc. Das kostet dann aber auch eben mal mindestens 70 € pro Nacht, abhängig von der Länge des Bootes, ob Werktag oder Wochenende und ob man reserviert hat oder nicht (20 % Aufpreis). In der Hochsaison seien die Marinas so voll, daß man dort ohne Reservierung keinen Platz mehr bekäme, berichtete man mir in einem der klassischen Skippergespräche. Da wir mit kleinem Geldbeutel unterwegs waren, hat es sich nach einigen Tagen deswegen herauskristallisiert, das Boot in der Marina immer komplett aufzustocken und dann für drei Tage in die Wildnis zu verschwinden. Auch wenn Kroatien, wie mir gesagt wurde, immer beliebter wird – besonders unter den Yachties – gibt es tatsächlich noch diverse verlassene Flecken ohne Nachbarboote und ohne Bojenfelder, zumindest in der Nebensaison.

Traurigerweise haben zwei unserer acht Buchten, die flapsigen Spitznamen „Müllbucht 1“ und „Müllbucht 2“ erhalten und das nicht ohne Grund. Man konnte kaum einen Schritt tun, ohne auf ein Stück Plastik zu treten. Auch der obligatorische Autoreifen oder der DVD-Player auf dem Grund des Meeres durften nicht fehlen. Bei geringerer Verschmutzung kann man als tugendhafter Yachty ja noch selbst Hand anlegen, aber bei diesem Maß hätte man selbst als zehnköpfige Crew nichts mehr ausrichten können.

Zum Schluss noch ein paar salbende Worte zu Land und Kultur. Das Flair der Küste Kroatiens ist absolut traumhaft. Soweit wir das beurteilen konnten, war die kroatische Gastfreundschaft und die Freundlichkeit außerordentlich. Ende Juni sind die Temperaturen tagsüber warm, in der Sonne noch wärmer, und nachts, wenn nicht gerade der Jugo weht, angenehm kühl. Kroatien hat eine reiche Geschichte, von den Römern, über die Venezianer, über die Wirkung der kaiserlich-königlichen Monarchie, bis hin zum Vielvölkerstaat Jugoslaviens, dem Zerfall und dem Eintritt in die EU, sodaß man an vielen Orten viel Zeit hat, in der Vergangenheit zu stöbern. Kulinarisch bietet Kroatien hervorragende Speisen mit viel Fleisch und Fisch – die beste Fischplatte meines Lebens habe ich wohl in Hvar Stadt gegessen.

Ich habe den Urlaub vor der Küste Kroatiens sehr genossen und bin jederzeit bereit Kroatien weiter zu entdecken.

Törn auf der Yoga-Yacht in Kroatien – eine gelungene Reise

Auf dem Weg nach Split in Kroatien überkommt mich Vorfreunde. Ich bin gespannt auf das Land, das Segelschiff, die Mitreisenden und vor allem auf die erste Yogastunde! Rückblickend hat unser Yoga- und Segeltörn meine Vorstellungen bei weitem übertroffen.
Das Gulet mit dem Namen Gardelin erwartet uns bei unserer Ankunft in Trogir schon an der Kaimauer der Altstadt. Die Gardelin ist ein prächtiger Zweimaster aus Holz.

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Erstmal müssen wir natürlich unsere Kabinen ansehen und sind begeistert – hier kann man es wohl gut und gerne eine Woche aushalten. Die Kabine verfügt über ein Doppelbett, einen Schrank und ein eigenes Bad – mit einer richtigen Dusche! Nach dem vorzüglichen Abendessen, das Koch Neven für uns gezaubert hat, sitzen wir noch etwas an Deck zusammen, bevor sich alle nach und nach in ihre Kabinen verkriechen.

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Am nächsten Tag stechen wir nach dem Frühstück in See, um dem Regen in Trogir zu entfliehen. Angekommen im Hafen von Postira auf der Insel Brač breiten wir unsere Yogamatten auf der Hafenmauer aus.

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Yoga-Lehrerin Anna Tästensen leitet unsere bunt gemischte Truppe aus Yoga-Neulingen und erfahrenen Yogis gekonnt durch die erste Vinyasa-Stunde. Nach einem Sightseeing-Rundgang durch Postira legen wir noch eine Yin-Yoga-Session ein. Yin-Yoga, erklärt uns Anna, ist eine ruhige Form des Yogas. Alle Asanas werden für mehrere Minuten gehalten und der Körper wird gedehnt. Während wir am Kai auf unseren Yogamatten sitzen, geht vor uns langsam die Sonne unter und der Leuchtturm direkt neben uns knipst sein Licht an. So entspannt bin ich schon lange nicht mehr gewesen.

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Und so geht die Woche eigentlich viel zu schnell vorüber. Morgens um halb 8 starten wir mit Vinyasa-Yoga in den Tag und machen uns dann über den reich gedeckten Frühstückstisch her. Wenn alle satt sind und der letzte Tropfen Tee geschlürft ist, steuert der Skipper das Boot in eine schöne Bucht. Dort verbringen wir die nächste Zeit entweder im klaren blauen Wasser oder an Bord in der Sonne mit einem guten Buch – ein Traum.

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Wir unterbrechen das Sonnenbad zur Mittagszeit, um uns die Bäuche mit frisch zubereitetem Gemüse und Fisch oder Fleisch vollzuschlagen.
Gegen Nachmittag steuern wir jeden Tag einen anderen Hafen an, wo wir manchmal im Hafen, manchmal auch an Bord, unseren Körper und Geist mit einer Yoga-Stunde beglücken. Anschließend gehen wir auf Erkundungstour durch die Städtchen und kehren meist in einer Konobe, einem kleinen kroatischen Restaurant, ein.

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Viel zu schnell heißt unser nächstes Ziel schon wieder Trogir, der Ausgangs- und Endhafen unserer Reise. Noch ein gemeinsames Abendessen und dann müssen wir Abschied nehmen – von Kroatien, dem Gulet samt Crew, unserer Yoga-Lehrerin Anna und den Reisegefährten.
Abschließend kann ich nur sagen: Es war eine wundervolle Woche. Ich habe nette Leute und ein Land, von dem ich wirklich positiv überrascht bin, kennengelernt. Zudem habe ich es geliebt, zeitig mit einer Yoga-Stunde frisch in den Tag zu starten. Ich hoffe, ich kann Yoga zu einer regelmäßigen Gewohnheit werden lassen und so einen Teil dieser Reise immer bei mir tragen.

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Geschrieben von Lena Z.

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Kuba: Karibisches Insel-Hopping vor der Südküste Kubas – Grüße von Robinson

Geschrieben von Beate Z.


Der Wind zerzaust meine Haare, als die „Jamaica“ die kleine Marina in Cienfuegos, Kuba, verlässt. Wir segeln, endlich! Und ich bin in diesem Moment der glücklichste Mensch der Welt. Hurricane Matthew hatte das planmäßige Auslaufen des Katamarans, auf dem wir zwei Kabinen gechartet haben, verhindert. Der Skipper sprach von „Safety first“ und dass er schließlich die Verantwortung für uns trage.

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Dennoch: Der Bootseigentümer Dream Yacht Charter hat alles unternommen, um uns Passagieren – wir sind acht – die Wartezeit kurzweilig zu gestalten. Jeden Tag erwartete uns am Tor der Marina ein Taxi, das uns hinbrachte, wo immer wir hin wollten. So entdeckten wir das zauberhafte Trinidad, den tropischen Regenwald um den Wasserfall El Nicho, badeten im türkisfarbenen Pool des Wasserfalls und genossen – ausgestattet mit kühlen Getränken – karibisches Strandleben.

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Meine Befürchtung, aus dem gebuchten und herbeigesehnten Segeltörn würde ein Landurlaub, zerstreut Dennis Kuhlbars-Zachow von Apollon-Tours. Er ruft an, als ich mich gerade über die Frühstückseier hermachen will, die der Bordkoch zubereitet hat.  Er werde sich um eine Alternative kümmern, verspricht er.

Doch unsere Geduld wird belohnt. Wir stechen in See, als „Matthew“ den Süden Kubas nicht mehr bedroht. Ziel: eine einsame Insel in der Karibik. Nach einem entspannten Tag auf See ankert der Skipper vor besagter Insel – Cayo Blanco. Sand, Palmen, Kokosnüsse, und Muscheln in einer Größe, die ich noch nie gesehen habe – in Null-komma-nichts haben wir Flossen an den Füßen, Taucherbrillen vor den Augen und Schnorchel im Mund.

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Die Unterwasserwelt erinnert an ein tropisches Aquarium: Um uns herum schwimmen Doktorfische, Rochen und andere exotisch-bunte Meeresbewohner. Das Seegras, das auf den Korallen wäschst, bewegt sich leicht und ich entdecke einen Seeigel mit utopischen Ausmaßen – ein Unterwassermärchen! Und das schönste: wir sind mittendrin.

Nach dem Schnorchel-Ausflug erkunden wir Cayo Blanco und stellen fest, dass das Eiland insbesondere bei Landeinsiedlerkrebsen sehr beliebt ist. In Scharen tummeln sie sich in Ufernähe.  Den Spuren im Sand nach zu urteilen leben hier auch größere Echsen, aber sie haben sich gut im Mangrovendickicht versteckt.
Daneben wohnt zumindest ein Mensch auf Cayo Blanco, noch dazu einer, der kochen kann. Er hat zum Abendessen Paella vorbereitet und so lassen wir den Nachmittag auf seiner Terrasse ausklingen. Das Farbenspiel des Sonnenuntergangs ist berauschend. Das Dingi gleitet in der Dämmerung durch rosafarbenes Wasser, als wir zurückkehren zu unserem Boot. Einen weiteren Abend vergnügen wir uns an Bord mit Uno und Mojito, bevor sich jeder zur Ruhe begibt – am liebsten unter dem weiten Himmel der Karibik.

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Am nächsten Morgen gehen schon vor dem Frühstück einige Mitreisende elegant über Bord – das Wasser ist einfach zu verlockend. Später, nachdem alle das türkisfarbene Nass ausgekostet haben, holt Robinson – Smutje, Steward und Matrose in einer Person – Badeleiter und Anker hoch. Wir brechen auf zu neuen Ufern – wie sich später herausstellt einer noch kleineren Insel, die ich auf keiner Landkarte finde.

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„Hier leben Leguane“, bereitet uns der Skipper vor, bevor das Dingi auf dem feinen Sand aufsetzt. Diese Burschen braucht man nicht zu suchen. Forsch kommen sie aus dem Dickicht, um zu sehen, wer die paradiesische Ruhe stört. Die Echsen mit dem urzeitlichen Aussehen posieren bereitwillig vor den Kameras und schrecken auch nicht davor zurück, mir hinterherzulaufen, als mein Interesse nachlässt. Neben den Leguanen entdecken wir noch kleinere Echsen am Sandstrand und natürlich die Unterwasserwelt.

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Die Crew holt uns wieder ab, als Robinson das Mittagessen fertig hat. Wir baden noch einmal ausführlich, bevor der Anker gelichtet wird. Es geht in Richtung Cienfuegos und der Wind steht gut. Unter Segeln rauschen wir über das blaue Wasser. Ich belege einen Aussichtsplatz am Bug, genieße die warme Sonne, den Wind und die Gischt, die ab und zu für Abkühlung sorgt.

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Als sich die samtschwarze Nacht über unseren Katamaran senkt, ist die Bucht von Cienfuegos noch nicht in Sicht. Wir fahren weiter durch die Dunkelheit, die ab und zu von Wetterleuchten erhellt wird. Wie schon an den Tagen zuvor sind wir auch in der Nacht alleine unterwegs.  Abgesehen von ein paar Fischerbooten sind uns während des gesamten Törns zwei Yachten begegnet. Davon brachte ein Katamaran einen Bautrupp zur Leguan-Insel, um einen Steg auszubessern.

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Zurück in Cienfuegos ist unser Urlaub noch nicht zu Ende. Die Leute von Apollon-Tours haben für uns noch eine Woche Havanna gebucht – in einer netten Casa Particulare, die  zentral in einer gepflegten Gasse Alt-Havannas liegt. Als wir im Flugzeug nach München sitzen, sind wir uns einig: Die Karibik sieht uns wieder. Unvergleichlich blau und warm das Wasser, unbeschreiblich die tropische Flora und Fauna, unvergesslich die karibische Lebensart.

Und wieder einmal resümiere ich, dass Kabinencharter – zumindest für mich – die optimale Art des Reisens ist. Sorglos lassen sich unbekannte Gewässer und Gegenden erkunden – in einer kleinen Gruppe und unter fachkundiger Leitung. Dabei bleiben genügend Freiräume für das individuelle Erlebnis und Erkundungen auf eigene Faust. So stelle ich mir einen Traumurlaub vor.

Unser Traumurlaub auf einem Gulet

Geschrieben von  Katharina Z.


Wir suchten nach einer Alternative zu einem Hotelurlaub. Ein Schiff für unsere zwei Familien sollte es sein, nicht zu teuer, individuell planbar und unsere Kinder (zwischen 7 und 11) sollten auch Spaß haben. Bei der Recherche sind wir auf Apollon-Tours und somit auf das Gulet gestoßen. Ein Gulet ist übrigens ein bestimmter Schiffstyp, der fast nur aus Holz besteht, zwar ein Segelschiff ist, aber überwiegend unter Motor läuft.

 

Anreisetag:
Unser mulmiges Gefühl, in die Türkei zu reisen, löste sich im Laufe der ersten Stunden komplett auf. Allein die Reiseroute würden wir beim nächsten Mal anders auswählen. Wesentlich komfortabler wäre der Flug nach Rhodos. Von dort aus fährt regelmäßig eine Fähre nach Marmaris.
Wir reisten über Hamburg, Istanbul, Bodrum mit dem Flugzeug an. Danach ging es mit dem Auto 1,5 Stunde weiter nach Mamaris. Auf dem Weg war es kein Problem einen Zwischenstopp für den Getränkekauf einzulegen. In Marmaris angekommen wurden wir begrüßt und zu unserem Schiff geleitet. Wir kamen an vielen Schiffen vorbei und die Aufregung stieg, welches ist wohl unseres. Dann sahen wir sie: unsere Derya Denize. Wie aus einer anderen Zeit entsprungen, majestätisch lag sie vor uns. Als wir nacheinander über die Schiffsbrücke auf das Schiff gelangten, konnten wir es kaum glauben: dieses Schiff sollte für eine Woche unser sein! Ein wunderschön gedeckter Tisch, ausreichend für uns acht, war mit Oliven, Obst, türkischen Süßigkeiten… gedeckt. Mit Champanger und Saft wurden wir willkommen geheißen und unsere dreiköpfige Crew wurde uns vorgestellt. Auch wurden uns die drei verschiedenen Routen auf Karten gezeigt. Auf Grund von Wetter und Jahreszeit haben wir uns für eine Route entschieden. Die Kinder erkundeten sofort das Deck und das Innere des Schiffes, mit seinen vier Kabinen (zwei großen Masterkabinen und zwei Kabinen für die Kinder, wobei jede Kabine über ein eigenes Bad mit Dusche verfügt. Hinzu kamen die zwei Kabinen für die Crew. ). Nach der herzlichen Begrüßung und dem Willkommenssnack bezogen wir unsere Kabinen und richteten uns häuslich ein. Nach einem reichhaltigen Abendessen ließen wir den Abend gemütlich ausklingen, wobei die Kinder nach dem anstrengenden Tag sehr schnell müde wurden.

 

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1. Tag:
Unser Schiff legte recht früh ab, das Motorengeräusch weckte uns. Entlang der Küste zu fahren, war wunderschön, die Farben des Wassers wechselten sich in vielen Blau-und Türkistönen ab. Gegen neun warfen wir in einer Bucht Kumlubük den Anker aus und genossen ein leckeres Frühstück, das die Crew auf dem großen Tisch bereitgestellt hatte. Nach dem ausführlichen Frühstück legten wir ab und fuhren ca. 1,5 Stunden zur nächsten Bucht: Arap adasi. Unsere Turns dauerten immer 1,5 – 2 Stunden. In der Bucht: Serce angekommen, ging es gleich über die Schwimmtreppe ins Wasser. Nach den ersten etwas ängstlichen Einstiegen sprangen die Kinder direkt von oben hinein. Wir hatten alle unsere Schnorchelausrüstung mit, was sehr empfehlenswert ist. Man kann sie aber auch gegen Gebühr ausleihen. Wenn man das Land ein wenig erkunden möchte (unsere Kinder spielten immer 5 Freunde auf der Felseninsel), bieten sich Wasserschuhe an (zur Not gehen auch Flip-Flops ;-)).

Zum Wasservergnügen gehörte auch ein Kanu (ein weiteres orderten wir dazu). In unserer Übernachtungsbucht nutzten die Kinder die Kanus für ein erstes Wettrennen. Wir beiden Frauen drehten nach dem gemeinsamen Schwimmen auch noch eine kleine Runde. Ein positiver Nebeneffekt ist die Beanspruchung der Armmuskulatur ;-). Zwischendurch war Tea-Time mit frischen Früchten. Nach einem gemeinsamen Familienspieleabend gingen wir glücklich ins Bett.

 

2. Tag:
Vom Motorengeräusch geweckt genossen wir bei serviertem Kaffee die ersten Sonnenstrahlen und den frischen Fahrtwind an Deck. Vorbei an kargen Felsen steuerten wir unsere Frühstücksbucht an: oglan boguldu

In der nächsten Bucht: sögüt adasi blieben wir bis zur Tea-time. Dort fanden wir eine große Ziegenherde samt Hirten und Hütehund vor, die uns alle freundlich begrüßten. Umgeben vom Bergmassiv konnten die Ziegen sich frei bewegen und nutzten ihren Platz auch reichlich aus. Immer wieder meckerte es von verschiedenen Stellen. Der Hirte ließ die Kinder ein Zicklein, welches noch eine milchverschmierte Schnute hatte, streicheln. Auch unter Wasser gab es ein schönes Angebot: wir konnten die ersten Korallen bewundern und natürlich wieder diverse Fische und andere Meeresbewohner.

Unser Schlafplatz: ada bogazi befand sich gegenüber dem kleinen Hafenort bozburun. Dort angelegt durften wir einen beeindruckenden Sonnenuntergang an Bord genießen. Dem folgte der Türkische Halbmond nebst Abendstern. Ein perfekter Ausklang des Tages. Doch der Abend war jung und die Crew hatte etwas ganz Besonderes für uns vorbereitet: es gab frischen Tintenfisch, nebst der leckersten Dorade, die wir je gegessen hatten. Eine nette Auswahl an Salaten und Dips rundete unser exquisites Essen ab.

 

3. Tag:
Unser erster Landgang.
Nach einem wie immer reichhaltigen Frühstück brachen wir zu unserem nächsten Ziel auf. Wir steuerten den Hafen von bozburun an, wo unser Kapitän das Schiff in einer für uns recht klein wirkenden Lücke perfekt platzierte. An Land war die Wärme viel intensiver zu spüren, als an Wasser. Und so verspürten wir schon nach wenigen Minuten einen großen Durst (es bietet sich also an stets eine Flasche Wasser bei sich zu haben). Wir genossen die intensive Farbenpracht der vielen Blumen und den Duft der verschiedenen Obst- und Olivenbäume. Am Weg standen üppig beladene Bäume mit Granatäpfeln und Zitronen. Die 2,5 Stunden Landgang nutzten wir für den Besuch eines traditionellen Dorfmarktes. Hier erstanden wir einige Kleidungsstücke für Kinder und Frauen. Das gegenseitige Feilschen bereitete allen Freude. Hier sei anzumerken, dass man mindestens 40% vom eigentlichen Preis abziehen muss. Anschließend aßen wir noch ein Eis, kauften Postkarten und Schnickschnack für die Kinder und gingen wieder an Bord. Nach einem einstündigen Trip erreichten wir unser nächstes Ziel für den Rest des Tages und die Nacht: üc taslar (Three rocks). Dies war die bisher schönste Bucht zum Schnorcheln. Die Unterwasserwelt rund um die drei Felsen bot eine vielfältige Pflanzen- und Fischwelt. Keine 2 Minuten nach dem Reinspringen ins kühle Nass sprang ein ganzer Schwarm fliegender Fische vor unserer Nase aus dem Wasser. Ein unglaubliches Naturschauspiel!
Wir genossen die Ruhe und die vielen Eindrücke. Einige von uns erprobten sich im Klettern an Land und/oder im Tieftauchen. Im Wasser war es so schön, dass wir Schrumpelhände hatten und fast schon zu Meerjungfrauen und –männern wurden.

Gegen Abend kam ein stärkerer Wind auf, so dass auch das mitgenommene Reisekaugummi bei einigen Kindern zum Einsatz kam. Die Wirkung zeigte sich schon nach wenigen Minuten, wurde doch weder das leckere Abendessen, noch der warme Schokopudding verschmäht. Auch die Nacht war trotz des höheren Wellenganges erstaunlich ruhig.

 

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4. Tag:
Unser erstes Kleidungsstück ging gestern über Bord, was wir aber erst heute beim morgendlichen Schwimmen und Schnorcheln entdeckten. Leider schaffte es keiner von uns auf die Tiefe von 7 Metern herunter zu kommen. Mit Verlusten muss man rechnen ;-).
Nun waren wir auf dem Weg zurück. Weil wir uns bei unserer Routenwahl für die Schildkrötenbucht entschieden hatten, die in der entgegengesetzten Richtung lag, hieß es einige Kilometer zurück zu legen. Die Kinder beschäftigten sich auf der Fahrt mit Gesellschaftsspielen, wir Erwachsenen genossen die karge Felslandschaft, das tiefe Blau, den Fahrtwind, die wärmende Oktobersonne.
Das nächste Zwischenziel bot ein Highlight für alle. In einer malerischen Bucht bozuk kale lag hoch über uns eine alte Burgruine. Mit dem Dingi wurden wir, zur Freude der Kinder, ans Festland gebracht. Unser Kapitän ließ es sich nicht nehmen einige Extrarunden mit Speed zu fahren.


An Land gingen wir auf Entdeckertour (festes Schuhwerk nicht vergessen). Über Trampelpfade ging es zwischen Steinbrocken hindurch bergauf. Von der eigentlichen Burg war nur noch der unterste Teil der Außenmauer zu erkennen. Für die Kinder war es das reinste Spiel- und Kletterparadies. Wir genossen die wunderbare Aussicht in die Bucht und machten tolle Fotos. Auf dem Rückweg versuchten wir den interessanten Düften auf die Spur zu kommen. Unten angekommen wartete schon der Kapitän mit dem Schlauchboot.
Die letzte Etappe für diesen Tag führte uns in die Bucht ciftlik, abermals umgeben von einer beeindruckenden Berglandschaft. Das sich dort befindende Hotel stellte sich als verlassen heraus. Die Straße war in die Jahre gekommen, sodass der Staat verboten hatte, weiterhin darauf zu fahren. Auf der anderen Seite des Gulets lag eine Privatinsel. Diese wurde urplötzlich, es war bereits dunkel, mit Straßenlaternen hell erleuchtet. Die Bewohner kamen zurück und wurden mit einem kleinen Gefährt, welches man sonst auf Golfplätzen vermutet, abgeholt. Auf Grund des Windes wurde unser Boot nur am Anker festgemacht, so dass es sich entsprechend der Windrichtung ausrichten konnte.

5. Tag:
Heute erfolgte unser dritter Landgang. Wir frühstückten etwas früher als sonst, weil unser Trip in Richtung Schildkrötenbucht und Daylan über 2 Stunden dauerte. In einer kleinen Bucht ekincik wurden wir direkt von unserem Gulet von einem Taxiboot abgeholt. Unser Ansprechpartner empfahl uns ein etwas teureres Boot zu mieten (ca. 160 – 200 Euro) anstatt ein günstiges (zwischen 120 und 140 Euro), das einen zu bestimmten Restaurants bringt (Butterfahrtenprinzip). So hatten wir alle Freiheiten und konnten selbst entscheiden, wie lange wir wo bleiben wollten. Die eben beschriebenen Butterfahrten sahen wir auf unserem Rückweg mit eigenen Augen. Unser Koch hatte uns Sandwiches zubereitet, die wir während der Fahrt aßen.
In der Nähe der Schildkrötenbucht angekommen, durchfuhren wir eine Fluss-Schilf-Landschaft, die uns an Floßtouren in Freizeitparks erinnerte. Zwischendurch hielt unser Bootsführer an den berühmten Felsenhöhlen von Daylan an. Vom Boot aus konnten wir die beeindruckenden in den Fels geschlagenen Eingangsportale bewundern. Der Bootsführer erklärte uns auf Englisch, dass die Höhlen ca. 400 v. Chr. entstanden und in den pompösen Höhlen der König mit seiner Familie wohnte, während in den kleineren Höhlen die Soldaten lebten. Wir überlegten, wie das Leben damals wohl war und wie dunkel es in den Höhlen immer gewesen sein musste. Anschließend fuhren wir weiter nach Daylan, wo wir an einem Steg ausstiegen und die kleine Stadt ein wenig erkundeten. Hier konnten wir dann auch einige Klamotten kaufen. Daylan ist eine kleine nette Stadt mit vielen schönen Restaurants, die im Moment kaum Gäste haben. Entsprechend wird man von den Besitzern oft eingeladen, doch hinein zu kommen. Wenn man aber im höflich-energischen Ton ablehnt, wird man in Ruhe gelassen. Auf dem Rückweg durch die Fluss-Schilflandschaft mit dem Ziel Turtlebeach sahen wir sogar eine große Schildkröte im Wasser. Der Name „Turtlebeach“ entstand, weil an diesem Strand unendlich viele Schildkröten zur Eiablage kommen. Jetzt zu dieser Jahreszeit ist der Nachwuchs längst geschlüpft und im Meer verschwunden. Wir genossen den Sandstrand und badeten im Meer. Besonders die Kinder freuten sich über die Abwechslung, mal in das flache Wasser hineingehen zu können und nicht direkt von der Badeleiter ins mind. 5 Meter tiefe Wasser zu springen. Der Rückweg mit dem Taxiboot war nicht ganz so lang, da unsere Gullet bereits unser Nachtquartier semizce angesteuert hatte. Zurück auf unserem Schiff war erst „Teatime“, dann gingen einige von uns noch schnorcheln oder tobten so im Wasser. Endlich spielten wir auch gemeinsam unser neues Spiel, bevor es ein wie immer leckeres Abendessen gab.

 

6. Tag:
Nach einem kurzen Morgenbad und einem türkischen Frühstück ging es zur vorletzten Bucht Aksu burnu. Im Schatten eines ins Wasser abfallenden Bergmassivs hatten wir einen grandiosen Blick über das vor uns liegende Meer und die entfernten Berge. Das Schnorcheln zeigte uns eine Art Mondlandschaft mit großen Felsbrocken und dunklen Spalten, die nicht immer zeigten, was sie verbargen. Hier blieben wir bis zur Teatime. Anschließend starteten wir unseren letzten Trip. Es ging zurück in Richtung Marmaris. In einer Bucht, nicht mehr weit vom Hafen entfernt, ankerten wir. Während die Kinder schon wieder im Wasser waren, packten wir die Koffer. Zum Glück konnten wir noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Wir waren schon ein bisschen traurig, wie schnell diese wunderschöne Zeit vorüber gegangen war. Die Aussicht auf kühles Herbstwetter zu Hause war nicht so verlockend. Es war so schön, nochmal eine Woche Sommer und Sonne zu tanken. Unser letztes Dinner an Bord war wieder hervorragend. Es gab noch einmal leckeren Fisch. Bei einem Abschiedsdrink spielten wir nochmal gemeinsam unser Lieblingsspiel, bevor es dann ein letztes Mal in die Kojen zum Schlafen ging.

 

Abreisetag:
Am nächsten Morgen wachten wir von den Motoren auf. Wir fuhren das kurze Stück zum Hafen von Marmaris. Als ob das Wetter uns den Abschied erleichtern wollte, war es etwas kühler und leicht bewölkt, so dass man gleich die lange Hose anziehen konnte. Am Hafen konnten wir nochmal die „Einparkkünste“ unseres Kapitäns bewundern. Direkt neben einem Schwesternschiff unserer Derja legten wir an. Unser Frühstück wurde vorbereitet und wir genossen ein letztes Mal das gemeinsame Essen zu acht draußen an Bord des Schiffes.
Anschließend brachten wir unser Gepäck an Land, erledigten die Formalitäten und mussten uns dann von unseren drei Crewmitgliedern verabschieden.

Apropos Crew: das Zusammenleben mit den drei türkischen Männern an Bord stellte sich als sehr entspannt dar. Die nötige Distanz wurde gewahrt, trotzdem entstand ein herzlicher Kontakt. Alle unsere Wünsche wurden sofort erfüllt. Für die Kinder gab es immer einen kleinen Spaß, die Sprache war keine Barriere. Auch wir Frauen fühlten uns nach anfänglichen Bedenken im Bikini nicht beobachtet. Zum Essen hielten wir uns jedoch stets an die üblichen Kleiderregeln. Der Abschied von den drei Männern fiel uns allen nicht leicht. Während unseres Trips hatten wir uns sehr gut aneinander gewöhnt und viele schöne Momente erlebt und nette Gespräche geführt. Und dann gingen wir von Bord. Hoffentlich können wir diese Art von Urlaub bald wiederholen. Uns bleiben viele schöne Erinnerungen an unseren Traumurlaub auf einem Gullet.