Unser Traumurlaub auf einem Gulet

Geschrieben von  Katharina Z.


Wir suchten nach einer Alternative zu einem Hotelurlaub. Ein Schiff für unsere zwei Familien sollte es sein, nicht zu teuer, individuell planbar und unsere Kinder (zwischen 7 und 11) sollten auch Spaß haben. Bei der Recherche sind wir auf Apollon-Tours und somit auf das Gulet gestoßen. Ein Gulet ist übrigens ein bestimmter Schiffstyp, der fast nur aus Holz besteht, zwar ein Segelschiff ist, aber überwiegend unter Motor läuft.

 

Anreisetag:
Unser mulmiges Gefühl, in die Türkei zu reisen, löste sich im Laufe der ersten Stunden komplett auf. Allein die Reiseroute würden wir beim nächsten Mal anders auswählen. Wesentlich komfortabler wäre der Flug nach Rhodos. Von dort aus fährt regelmäßig eine Fähre nach Marmaris.
Wir reisten über Hamburg, Istanbul, Bodrum mit dem Flugzeug an. Danach ging es mit dem Auto 1,5 Stunde weiter nach Mamaris. Auf dem Weg war es kein Problem einen Zwischenstopp für den Getränkekauf einzulegen. In Marmaris angekommen wurden wir begrüßt und zu unserem Schiff geleitet. Wir kamen an vielen Schiffen vorbei und die Aufregung stieg, welches ist wohl unseres. Dann sahen wir sie: unsere Derya Denize. Wie aus einer anderen Zeit entsprungen, majestätisch lag sie vor uns. Als wir nacheinander über die Schiffsbrücke auf das Schiff gelangten, konnten wir es kaum glauben: dieses Schiff sollte für eine Woche unser sein! Ein wunderschön gedeckter Tisch, ausreichend für uns acht, war mit Oliven, Obst, türkischen Süßigkeiten… gedeckt. Mit Champanger und Saft wurden wir willkommen geheißen und unsere dreiköpfige Crew wurde uns vorgestellt. Auch wurden uns die drei verschiedenen Routen auf Karten gezeigt. Auf Grund von Wetter und Jahreszeit haben wir uns für eine Route entschieden. Die Kinder erkundeten sofort das Deck und das Innere des Schiffes, mit seinen vier Kabinen (zwei großen Masterkabinen und zwei Kabinen für die Kinder, wobei jede Kabine über ein eigenes Bad mit Dusche verfügt. Hinzu kamen die zwei Kabinen für die Crew. ). Nach der herzlichen Begrüßung und dem Willkommenssnack bezogen wir unsere Kabinen und richteten uns häuslich ein. Nach einem reichhaltigen Abendessen ließen wir den Abend gemütlich ausklingen, wobei die Kinder nach dem anstrengenden Tag sehr schnell müde wurden.

 

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1. Tag:
Unser Schiff legte recht früh ab, das Motorengeräusch weckte uns. Entlang der Küste zu fahren, war wunderschön, die Farben des Wassers wechselten sich in vielen Blau-und Türkistönen ab. Gegen neun warfen wir in einer Bucht Kumlubük den Anker aus und genossen ein leckeres Frühstück, das die Crew auf dem großen Tisch bereitgestellt hatte. Nach dem ausführlichen Frühstück legten wir ab und fuhren ca. 1,5 Stunden zur nächsten Bucht: Arap adasi. Unsere Turns dauerten immer 1,5 – 2 Stunden. In der Bucht: Serce angekommen, ging es gleich über die Schwimmtreppe ins Wasser. Nach den ersten etwas ängstlichen Einstiegen sprangen die Kinder direkt von oben hinein. Wir hatten alle unsere Schnorchelausrüstung mit, was sehr empfehlenswert ist. Man kann sie aber auch gegen Gebühr ausleihen. Wenn man das Land ein wenig erkunden möchte (unsere Kinder spielten immer 5 Freunde auf der Felseninsel), bieten sich Wasserschuhe an (zur Not gehen auch Flip-Flops ;-)).

Zum Wasservergnügen gehörte auch ein Kanu (ein weiteres orderten wir dazu). In unserer Übernachtungsbucht nutzten die Kinder die Kanus für ein erstes Wettrennen. Wir beiden Frauen drehten nach dem gemeinsamen Schwimmen auch noch eine kleine Runde. Ein positiver Nebeneffekt ist die Beanspruchung der Armmuskulatur ;-). Zwischendurch war Tea-Time mit frischen Früchten. Nach einem gemeinsamen Familienspieleabend gingen wir glücklich ins Bett.

 

2. Tag:
Vom Motorengeräusch geweckt genossen wir bei serviertem Kaffee die ersten Sonnenstrahlen und den frischen Fahrtwind an Deck. Vorbei an kargen Felsen steuerten wir unsere Frühstücksbucht an: oglan boguldu

In der nächsten Bucht: sögüt adasi blieben wir bis zur Tea-time. Dort fanden wir eine große Ziegenherde samt Hirten und Hütehund vor, die uns alle freundlich begrüßten. Umgeben vom Bergmassiv konnten die Ziegen sich frei bewegen und nutzten ihren Platz auch reichlich aus. Immer wieder meckerte es von verschiedenen Stellen. Der Hirte ließ die Kinder ein Zicklein, welches noch eine milchverschmierte Schnute hatte, streicheln. Auch unter Wasser gab es ein schönes Angebot: wir konnten die ersten Korallen bewundern und natürlich wieder diverse Fische und andere Meeresbewohner.

Unser Schlafplatz: ada bogazi befand sich gegenüber dem kleinen Hafenort bozburun. Dort angelegt durften wir einen beeindruckenden Sonnenuntergang an Bord genießen. Dem folgte der Türkische Halbmond nebst Abendstern. Ein perfekter Ausklang des Tages. Doch der Abend war jung und die Crew hatte etwas ganz Besonderes für uns vorbereitet: es gab frischen Tintenfisch, nebst der leckersten Dorade, die wir je gegessen hatten. Eine nette Auswahl an Salaten und Dips rundete unser exquisites Essen ab.

 

3. Tag:
Unser erster Landgang.
Nach einem wie immer reichhaltigen Frühstück brachen wir zu unserem nächsten Ziel auf. Wir steuerten den Hafen von bozburun an, wo unser Kapitän das Schiff in einer für uns recht klein wirkenden Lücke perfekt platzierte. An Land war die Wärme viel intensiver zu spüren, als an Wasser. Und so verspürten wir schon nach wenigen Minuten einen großen Durst (es bietet sich also an stets eine Flasche Wasser bei sich zu haben). Wir genossen die intensive Farbenpracht der vielen Blumen und den Duft der verschiedenen Obst- und Olivenbäume. Am Weg standen üppig beladene Bäume mit Granatäpfeln und Zitronen. Die 2,5 Stunden Landgang nutzten wir für den Besuch eines traditionellen Dorfmarktes. Hier erstanden wir einige Kleidungsstücke für Kinder und Frauen. Das gegenseitige Feilschen bereitete allen Freude. Hier sei anzumerken, dass man mindestens 40% vom eigentlichen Preis abziehen muss. Anschließend aßen wir noch ein Eis, kauften Postkarten und Schnickschnack für die Kinder und gingen wieder an Bord. Nach einem einstündigen Trip erreichten wir unser nächstes Ziel für den Rest des Tages und die Nacht: üc taslar (Three rocks). Dies war die bisher schönste Bucht zum Schnorcheln. Die Unterwasserwelt rund um die drei Felsen bot eine vielfältige Pflanzen- und Fischwelt. Keine 2 Minuten nach dem Reinspringen ins kühle Nass sprang ein ganzer Schwarm fliegender Fische vor unserer Nase aus dem Wasser. Ein unglaubliches Naturschauspiel!
Wir genossen die Ruhe und die vielen Eindrücke. Einige von uns erprobten sich im Klettern an Land und/oder im Tieftauchen. Im Wasser war es so schön, dass wir Schrumpelhände hatten und fast schon zu Meerjungfrauen und –männern wurden.

Gegen Abend kam ein stärkerer Wind auf, so dass auch das mitgenommene Reisekaugummi bei einigen Kindern zum Einsatz kam. Die Wirkung zeigte sich schon nach wenigen Minuten, wurde doch weder das leckere Abendessen, noch der warme Schokopudding verschmäht. Auch die Nacht war trotz des höheren Wellenganges erstaunlich ruhig.

 

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4. Tag:
Unser erstes Kleidungsstück ging gestern über Bord, was wir aber erst heute beim morgendlichen Schwimmen und Schnorcheln entdeckten. Leider schaffte es keiner von uns auf die Tiefe von 7 Metern herunter zu kommen. Mit Verlusten muss man rechnen ;-).
Nun waren wir auf dem Weg zurück. Weil wir uns bei unserer Routenwahl für die Schildkrötenbucht entschieden hatten, die in der entgegengesetzten Richtung lag, hieß es einige Kilometer zurück zu legen. Die Kinder beschäftigten sich auf der Fahrt mit Gesellschaftsspielen, wir Erwachsenen genossen die karge Felslandschaft, das tiefe Blau, den Fahrtwind, die wärmende Oktobersonne.
Das nächste Zwischenziel bot ein Highlight für alle. In einer malerischen Bucht bozuk kale lag hoch über uns eine alte Burgruine. Mit dem Dingi wurden wir, zur Freude der Kinder, ans Festland gebracht. Unser Kapitän ließ es sich nicht nehmen einige Extrarunden mit Speed zu fahren.


An Land gingen wir auf Entdeckertour (festes Schuhwerk nicht vergessen). Über Trampelpfade ging es zwischen Steinbrocken hindurch bergauf. Von der eigentlichen Burg war nur noch der unterste Teil der Außenmauer zu erkennen. Für die Kinder war es das reinste Spiel- und Kletterparadies. Wir genossen die wunderbare Aussicht in die Bucht und machten tolle Fotos. Auf dem Rückweg versuchten wir den interessanten Düften auf die Spur zu kommen. Unten angekommen wartete schon der Kapitän mit dem Schlauchboot.
Die letzte Etappe für diesen Tag führte uns in die Bucht ciftlik, abermals umgeben von einer beeindruckenden Berglandschaft. Das sich dort befindende Hotel stellte sich als verlassen heraus. Die Straße war in die Jahre gekommen, sodass der Staat verboten hatte, weiterhin darauf zu fahren. Auf der anderen Seite des Gulets lag eine Privatinsel. Diese wurde urplötzlich, es war bereits dunkel, mit Straßenlaternen hell erleuchtet. Die Bewohner kamen zurück und wurden mit einem kleinen Gefährt, welches man sonst auf Golfplätzen vermutet, abgeholt. Auf Grund des Windes wurde unser Boot nur am Anker festgemacht, so dass es sich entsprechend der Windrichtung ausrichten konnte.

5. Tag:
Heute erfolgte unser dritter Landgang. Wir frühstückten etwas früher als sonst, weil unser Trip in Richtung Schildkrötenbucht und Daylan über 2 Stunden dauerte. In einer kleinen Bucht ekincik wurden wir direkt von unserem Gulet von einem Taxiboot abgeholt. Unser Ansprechpartner empfahl uns ein etwas teureres Boot zu mieten (ca. 160 – 200 Euro) anstatt ein günstiges (zwischen 120 und 140 Euro), das einen zu bestimmten Restaurants bringt (Butterfahrtenprinzip). So hatten wir alle Freiheiten und konnten selbst entscheiden, wie lange wir wo bleiben wollten. Die eben beschriebenen Butterfahrten sahen wir auf unserem Rückweg mit eigenen Augen. Unser Koch hatte uns Sandwiches zubereitet, die wir während der Fahrt aßen.
In der Nähe der Schildkrötenbucht angekommen, durchfuhren wir eine Fluss-Schilf-Landschaft, die uns an Floßtouren in Freizeitparks erinnerte. Zwischendurch hielt unser Bootsführer an den berühmten Felsenhöhlen von Daylan an. Vom Boot aus konnten wir die beeindruckenden in den Fels geschlagenen Eingangsportale bewundern. Der Bootsführer erklärte uns auf Englisch, dass die Höhlen ca. 400 v. Chr. entstanden und in den pompösen Höhlen der König mit seiner Familie wohnte, während in den kleineren Höhlen die Soldaten lebten. Wir überlegten, wie das Leben damals wohl war und wie dunkel es in den Höhlen immer gewesen sein musste. Anschließend fuhren wir weiter nach Daylan, wo wir an einem Steg ausstiegen und die kleine Stadt ein wenig erkundeten. Hier konnten wir dann auch einige Klamotten kaufen. Daylan ist eine kleine nette Stadt mit vielen schönen Restaurants, die im Moment kaum Gäste haben. Entsprechend wird man von den Besitzern oft eingeladen, doch hinein zu kommen. Wenn man aber im höflich-energischen Ton ablehnt, wird man in Ruhe gelassen. Auf dem Rückweg durch die Fluss-Schilflandschaft mit dem Ziel Turtlebeach sahen wir sogar eine große Schildkröte im Wasser. Der Name „Turtlebeach“ entstand, weil an diesem Strand unendlich viele Schildkröten zur Eiablage kommen. Jetzt zu dieser Jahreszeit ist der Nachwuchs längst geschlüpft und im Meer verschwunden. Wir genossen den Sandstrand und badeten im Meer. Besonders die Kinder freuten sich über die Abwechslung, mal in das flache Wasser hineingehen zu können und nicht direkt von der Badeleiter ins mind. 5 Meter tiefe Wasser zu springen. Der Rückweg mit dem Taxiboot war nicht ganz so lang, da unsere Gullet bereits unser Nachtquartier semizce angesteuert hatte. Zurück auf unserem Schiff war erst „Teatime“, dann gingen einige von uns noch schnorcheln oder tobten so im Wasser. Endlich spielten wir auch gemeinsam unser neues Spiel, bevor es ein wie immer leckeres Abendessen gab.

 

6. Tag:
Nach einem kurzen Morgenbad und einem türkischen Frühstück ging es zur vorletzten Bucht Aksu burnu. Im Schatten eines ins Wasser abfallenden Bergmassivs hatten wir einen grandiosen Blick über das vor uns liegende Meer und die entfernten Berge. Das Schnorcheln zeigte uns eine Art Mondlandschaft mit großen Felsbrocken und dunklen Spalten, die nicht immer zeigten, was sie verbargen. Hier blieben wir bis zur Teatime. Anschließend starteten wir unseren letzten Trip. Es ging zurück in Richtung Marmaris. In einer Bucht, nicht mehr weit vom Hafen entfernt, ankerten wir. Während die Kinder schon wieder im Wasser waren, packten wir die Koffer. Zum Glück konnten wir noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Wir waren schon ein bisschen traurig, wie schnell diese wunderschöne Zeit vorüber gegangen war. Die Aussicht auf kühles Herbstwetter zu Hause war nicht so verlockend. Es war so schön, nochmal eine Woche Sommer und Sonne zu tanken. Unser letztes Dinner an Bord war wieder hervorragend. Es gab noch einmal leckeren Fisch. Bei einem Abschiedsdrink spielten wir nochmal gemeinsam unser Lieblingsspiel, bevor es dann ein letztes Mal in die Kojen zum Schlafen ging.

 

Abreisetag:
Am nächsten Morgen wachten wir von den Motoren auf. Wir fuhren das kurze Stück zum Hafen von Marmaris. Als ob das Wetter uns den Abschied erleichtern wollte, war es etwas kühler und leicht bewölkt, so dass man gleich die lange Hose anziehen konnte. Am Hafen konnten wir nochmal die „Einparkkünste“ unseres Kapitäns bewundern. Direkt neben einem Schwesternschiff unserer Derja legten wir an. Unser Frühstück wurde vorbereitet und wir genossen ein letztes Mal das gemeinsame Essen zu acht draußen an Bord des Schiffes.
Anschließend brachten wir unser Gepäck an Land, erledigten die Formalitäten und mussten uns dann von unseren drei Crewmitgliedern verabschieden.

Apropos Crew: das Zusammenleben mit den drei türkischen Männern an Bord stellte sich als sehr entspannt dar. Die nötige Distanz wurde gewahrt, trotzdem entstand ein herzlicher Kontakt. Alle unsere Wünsche wurden sofort erfüllt. Für die Kinder gab es immer einen kleinen Spaß, die Sprache war keine Barriere. Auch wir Frauen fühlten uns nach anfänglichen Bedenken im Bikini nicht beobachtet. Zum Essen hielten wir uns jedoch stets an die üblichen Kleiderregeln. Der Abschied von den drei Männern fiel uns allen nicht leicht. Während unseres Trips hatten wir uns sehr gut aneinander gewöhnt und viele schöne Momente erlebt und nette Gespräche geführt. Und dann gingen wir von Bord. Hoffentlich können wir diese Art von Urlaub bald wiederholen. Uns bleiben viele schöne Erinnerungen an unseren Traumurlaub auf einem Gullet.